Simon Jacob

Schrift & Poesie

Weshalb ich schreibe?

1980 in Mesopotamien, dem heutigen südöstlichen Teil der Türkei, wurde mir das Leben geschenkt. 1980 immigrierten meine Eltern, mit mir als Kind, aufgrund lebensbedrohlicher Spannungen in meiner Geburtsregion, nach „Alemanja“ (Deutschland).


Als Kind nimmt man die Welt anders wahr als es Erwachsene tun. Alles was man in seiner Kindheit sieht, berührt, schmeckt löst Emotionen aus, die einen, sofern man es zulässt, zu einem immensen Schatz verhelfen. Ein gedanklicher und historischer Schatz voller Erinnerungen, welcher ein Leben lang erhalten bleibt und immer wieder diese so wunderschönen Momente vor unserem geistigen Auge erscheinen lässt. Meine Erinnerungen an meine Kindheit sind geprägt von intensiven und feinfühligen Bildern, Farben in leuchtenden Tönen, wunderbaren Geräuschen, sorglosen und behütenden Gefühlen. Nie vergesse ich die schützende, warme Umarmung meines Vaters, der mich, nachdem ich müde auf der Couch fast eingeschlafen war, ins Bett trug. In besonders schwierigen Momenten hole ich mir das Bild meiner Mutter in Erinnerung, wie sie mit mir, als Kleinkind, auf einer sattgrünen Wiese spielt und zusieht, wie ich Pusteblumen in die Welt puste. Es war und ist eben meine und jene Welt, die es mir ermöglichte und immer noch ermöglicht, mich davonzustehlen. Manchmal brauche ich das. Weg von der Rationalität und Objektivität meiner mitteleuropäischen Heimat, hin zur blumigen Bildsprache meiner Ursprungskultur.


Fragt mich jemand, weshalb ich das tue, so antworte ich, dass Rationalität für mich Mathematik, Physik und Vernunft ist. Denn nur, und dafür bin ich dankbar, in dem ich eine Mauer der Rationalität um mich herum aufbaute, in Zeiten, in denen ich als Journalist im Nahen Osten Krieg und Leid erlebte, konnte ich dem seelischen Wahnsinn entkommen und geistigen Schaden verhindern. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass mich die Denkweise des Okzidents, in Form nüchterner Betrachtungen, im Nahen Osten vor Schlimmerem bewahrte. Während zugleich die blumige, die farbenfrohe Bildsprache des Orients, in Mitteleuropa, in der überall Frieden und Sicherheit herrschen, mich dann davor schützt, dem Wahnsinn zu verfallen, wenn ich zu viel über das Erlebte nachdenke und mich, wie bei Alice im Wunderland, eben in die Wunderwelt meiner kindlichen Erinnerungen begebe.


Deshalb habe ich diesen Blog ins Leben gerufen und stelle ihn jedem zur Verfügung, der, wie ich, träumt und ab und an sich in eine Welt begibt, voller Wunder, Schönheit, Vielfalt, Traurigkeit und einer gewissen Melancholie, die eine Seite von uns zeigt, die durch und durch menschlich ist…

Simon Jacob,
Gründer dieses Blogs